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Donnerstag 7 Oktober 2022

Vitrinegeschichte 4 - Das Oranjehotel

Scheveningen, 21. Januar 1942. Draußen ist es dunkel. Die Tür der Zelle 577 im Gefängnis von Scheveningen öffnet sich, woraufhin die deutsche Polizei Titus Brandsma hineinführt. Der Professor und Priester forderte die Redakteure katholischer Zeitungen auf, sich gegen die Veröffentlichung von NSB-Anzeigen zu wehren. Der Knall der zuschlagenden Zellentür hallte noch sekundenlang nach. Auch in diesem „Zimmer“ des „Oranjehotels“ – wie das Gefängnis genannt wird – wird es dunkel.

 

Einen Tag später folgte das Verhör von Brandsma. Die Deutschen wollen wissen, warum die Niederländer die NSB hassen; sie fragen ihn, einen Aufsatz darüber zu schreiben. Er willigt ein. In seiner Zelle schrieb er „Het Laatste Geschrift“, die noch während des Krieges veröffentlicht wurde.

 

Wenige Wochen, nachdem Brandsma seine Gedanken zu Papier gebracht hatte, musste der Friese abtransportiert werden: Über das Lager Amersfoort und das Gefängnis in Kleve gelangte er in das deutsche Konzentrationslager Dachau. Hier starb der 61-jährige Brandsma am 26. Juli 1942..

 

25.000 Gefangene

Brandsma war einer der 25.000 Gefangenen, die zwischen 1940 und 1945 in Scheveningen festgehalten wurden. Juden, Jehovas, Roma, Sinti, Kommunisten und vor allem Widerstandskämpfer gelangten über das Oranjehotel in deutsche Gefängnisse oder Lager. Einige 250 Gefangene kamen nicht so weit. Sie wurden zum Tode verurteilt und in den Dünen, auf der Waalsdorpervlakte, hingerichtet. Nach dem Krieg wurde das Gefängnis noch lange Zeit genutzt: zunächst für inhaftierte Deutsche und NSB-Mitglieder, später als reguläres Gefängnis.

 

Umwandlung in ein Museum durch KEEN

1946 gründeten einige ehemalige Häftlinge das Oranjehotel-Komitee und realisierten das Monument Oranjehotel: eine Gedenkstätte, die unter anderem aus der „Doodencel 601“, dem Tor zur Waalsdorpervlakte und den „Doodenboeken“ besteht. Zur Verwaltung dieses Denkmals wurde die Stiftung Oranjehotel gegründet. Nach der Schließung des Gefängnisses im Jahr 2009 setzte sie sich für den Erhalt des Gebäudes ein. Geschichten wie die von Brandsma dürfen nie verloren gehen – sie zeigen, wie verletzlich die Freiheit ist.

 

„Dennoch wurde es für den Abriss vorgeschlagen ...", sagt Herman van Eldik von der Designagentur KEEN Blikverruimers in Den Haag. „Die Stiftung, die jetzt aus Angehörigen besteht, hat diesen Plan verhindert. Mit Erfolg, denn schließlich haben sie ihr Ziel erreicht: die Restaurierung des gesamten Oranjehotels und seine Umwandlung in ein Museum. Das Gebäude ist jetzt ein nationales Monument und kann daher nicht abgerissen werden.“

„Unser Ziel war es, etwas zu entwerfen, das die Besucher still werden lässt“

„Zeigen, wie es wirklich war“

Herman wurde mit der Gestaltung der Inneneinrichtung beauftragt, in die eine Geschichte integriert wurde. „Unser Ziel war es, etwas zu entwerfen, das die Besucher still werden lässt“, erklärt er. „Vor allem, indem wir zeigen, wie es damals wirklich war. Wir nutzen dazu Geschichten von Gefangenen und ihren Angehörigen sowie Informationen über die damalige Rechtspflege. Aber auch durch die häufige Verwendung der Farbe Rot als Symbol der Schuld und des Blutes, das an dem Gebäude klebt.“ Am Ausgang befindet sich ein Gästebuch. Die Botschaften, die die Besucher hinterlassen, sind oft kurz, z. B. „beeindruckend“ oder „das darf nie wieder passieren“. Herman: „Also ja, ich denke, wir haben unser Ziel erreicht.“

„SDB hat exklusiv für das Oranjehotel ein Profilsystem entwickelt“

Exklusive SDB-Profile

Die Restaurierung erfolgte in Zusammenarbeit zwischen dem Bauunternehmen Heymans und KEEN (Maarten Stolk und Herman). Sie nutzten u. a. die Handwerkskunst von SDB Vitrinebouw. „Wir haben alle Vitrinen zusammen entworfen, entwickelt und gebaut“, erklärt Herman. „Darüber hinaus hat SDB exklusiv für das Oranjehotel ein Profilsystem entwickelt, in das wir problemlos Paneele oder Glas einschieben können. Außerdem gewährleistet dieses System die Einheitlichkeit des Designs, was vielleicht unsere größte Herausforderung war.“

 

Jetzt, fast drei Jahre nach der Eröffnung des Museums, blickt Herman mit Zufriedenheit auf die Zusammenarbeit mit SDB zurück. Wegen des schönen Endergebnisses und der Art und Weise, wie es zustande gekommen ist. „Wir könnten wirklich gemeinsam darüber nachdenken“, sagt er. „Sie sind außerdem flexibel und schaffen es sogar, scheinbar unerreichbare Fristen einzuhalten. Was war das Besondere an diesem Projekt? Dass wir dies von der ersten Zeichnung an realisieren konnten. Ich möchte auch die Zusammenarbeit mit der Stiftung Oranjehotel erwähnen. Die Mitglieder sind emotional involviert, was unser Museumserlebnis noch wertvoller gemacht hat.“

 

Hinter jedem Objekt in einer Vitrine steht eine besondere Geschichte. Das Prunkstück hat seinen Ehrenplatz hinter Glas nicht umsonst bekommen. Diese historischen, spannenden und fesselnden Geschichten erzählen wir in der Rubrik Vitrine-Geschichte.

 

Haben Sie auch eine Vitrine-Geschichte, an der Sie sich laben können? Bitte informieren Sie uns unter [email protected]

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