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Donnerstag 7 Oktober 2022

Vitrine-Geschichte 5 - Die Sammlung Zuylenburgh

Polen, Oktober 1543. Der katholische Kleriker Nikolaus Kopernikus veröffentlicht das Buch De revolutionibus orbium coelestium (Über die Umschwünge der himmlischen Kreise). Darin argumentiert er, dass nicht die Erde das Zentrum des Universums ist, sondern dass sich die Planeten um die Sonne drehen

Kopernikus sieht die Welt mit anderen Augen. Nicht aus einer naturphilosophischen Perspektive mit vagen Vermutungen und unsichtbaren Kräften; wie einige seiner Vorgänger will er die Dinge mit einem eleganten Modell erklären können. Aber längst nicht alle sind damit einverstanden. In der Tat: Weil seine Theorie den Lehren der Kirche widerspricht, steht seine Schrift 1616 auf dem Index der verbotenen Bücher.

Im 17e Jahrhundert erhält Kopernikus Unterstützung von anderer Seite. Von Johannes Kepler - der die Ideen von Kopernikus ergänzt - bis zu Galileo Galilei, der durch Mathematik und Experimente Wege zum Verständnis des Sonnensystems findet. So wandelt sich Kopernikus' Weltbild im Laufe der Jahre zum heliozentrischen System. 

Mächtige Sammlungen

Dennoch wird  Über die "Umschwünge der himmlischen Kreise" von vielen als Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Revolution angesehen, an der später noch viele andere Koryphäen beteiligt waren. William Harvey, Jan van Helmont, René Descartes, Isaac Beeckman, Isaac Newton, Antoni van Leeuwenhoek und so weiter.

"Aus rein wissenschaftlicher Sicht ist die Vakuumpumpe von Isaac Newtons Assistenten Francis Hauksbee etwas ganz Besonderes.

Wie außergewöhnlich die Entwicklungen während der Revolution waren, zeigt die Dauerausstellung Machtige Verzamelingen (Mächtige Sammlungen) im Rijksmuseum Boerhaave. Dort erzählen die Objekte "die Geschichte der Blütezeit des Experimentierens, Sammelns, Katalogisierens und Beschreibens". In einem der neu eingerichteten Räume erfahren die Besucher alles über den Namensgeber Herman Boerhaave (1668-1738). Er war ein berühmter Medizinprofessor und sorgte sozusagen im Alleingang für den Zustrom unzähliger ausländischer Medizinstudenten.

"In einem weiteren Raum befindet sich eine große Vitrine mit 55 Objekten aus der renommierten Zuylenburgh-Sammlung, dem Lebenswerk des Sammlers Bert Degenaar", so Tim Huisman, Kurator des Museums. "Bert ist unter anderem aus der Sendung Van onschatbare waarde bekannt. Er hat dem Museum schon früher geholfen, zum Beispiel mit einem äußerst seltenen Mikroskop von Antoni van Leeuwenhoek, und ist daher auch für uns von unschätzbarem Wert. Worauf bezieht sich Zuylenburgh? Das ist der Name von Berts Wohnsitz: ein schönes, monumentales Haus an der Vecht. "

 

Höhepunkte

Hinter dem Glas befinden sich Instrumente aus dem 17e , 18e und auch aus dem 19e Jahrhundert, die für die Wissenschaft nach der Zeit von Kopernikus wichtig waren. Darunter einige absolute Meisterwerke. "Die Pendeluhr aus dem Jahr 1675 ist mein Favorit", sagt Tim: "Der Pendelmechanismus, eine Erfindung von Christiaan Huygens, trug damals nicht nur zu einer genaueren Beobachtung bei, sondern die Uhr wurde auch schnell zu einem Statusobjekt für die Elite. Kein Wunder, denn sie ist vergoldet und reich verziert mit zahlreichen kleinen Skulpturen und Fenstern: wirklich schön. Und dann gibt es noch ein besonderes Exemplar: eine Uhr mit einer Unruhspirale. Dies ist eine weitere Erfindung von Huygens, die auf der Suche nach einer Pendeluhr entstand, die auch auf See läuft. Diese Uhr wurde wahrscheinlich von Isaac Thuret hergestellt, einem Uhrmacher, mit dem Huygens zusammenarbeitete. "

"Die Vitrine steht im Zentrum des Raumes, vom Boden bis zur Decke, so dass sie fast ein architektonisches Element ist.

"Aus rein wissenschaftlicher Sicht ist die Vakuumpumpe des Assistenten von Isaac Newton, Francis Hauksbee, etwas ganz Besonderes", so der Kurator weiter. "Das wurde zu Beginn des 18e Jahrhunderts für chemische und elektrische Experimente genutzt. Erwähnenswert sind auch die gegen Schwankungen resistenten Schiffsuhren sowie die achromatischen Teleskope und Mikroskope, die die Qualität der Beobachtung verbesserten. Aber eigentlich ist es alles aus Berts Sammlung."

Eine große Angeberei

Die Art und Weise, wie die Instrumente präsentiert werden, macht sie laut Tim noch besonderer. Er ist mehr als zufrieden mit der SDB-Vitrine, die von OPERA Amsterdam entworfen wurde. "Die Vitrine steht zentral in der Halle und ist vom Boden bis zur Decke aufgebaut", sagt er. "Das macht sie fast zu einem architektonischen Element. Besonderes Detail: In den Kern und den Boden sind Spiegel eingearbeitet. Dadurch glaubt das Publikum, mehr zu sehen, als tatsächlich vorhanden ist. Deshalb gibt es auch eine Menge Blingbling, denn es sind einige glänzende Teile aus Messing und Silber dabei, zum Beispiel. Ja, das ist wirklich eine große Angeberei!"

Hinter jedem Objekt in einer Vitrine steht eine besondere Geschichte. Natürlich hat das Prunkstück seinen Ehrenplatz hinter Glas nicht ohne Grund bekommen. Diese historischen, spannenden und fesselnden Geschichten erzählen wir in der Rubrik Vitrine-Geschichten.

 

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